| Elektro-Wärmepumpen im Feldtest | 16.08.2007 |
In einem zweijährigen „Feldtest Elektro-Wärmepumpen“ untersucht die Lokale Agenda 21 - Gruppe Umwelt/Energie Lahr im Schwarzwald seit Herbst 2006 am Oberrhein den Stand heutiger Wärmepumpentechnik, deren Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Die Agenda-Gruppe möchte klären, ob das Heizen mit Umweltwärme und Strom eine geeignete Alternative ist, klimaschädliche Treibhausgase und Geld einzusparen. Sie untersucht zusammen mit der Ortenauer Energieagentur zwischen Freiburg und Baden-Baden das Leistungsverhalten von 33 Heiz- und vier Warmwasser-Wärmepumpen in Ein- und Zweifamlienhäusern.
Bisheriges Fazit
Es gibt erhebliche Unterschiede zwischen den Leistungsmessungen auf den Wärmepumpen-Testständen und der Werbung auf der einen Seite und der Ermittlung der sogenannten Arbeitszahlen unter realistischen Betriebsbedingungen auf der anderen Seite. Die Arbeitszahl ist die wichtigste Kenngröße zur Beurteilung der Effizienz einer Wärmepumpe und ist definiert als das Verhältnis von Wärme am Ausgang zu Strom am Eingang.
Erdreich-Heiz-Wärmepumpen Spitzenreiter
Um Primärenergie und damit das schädliche Kohlendioxid einzusparen, ist eine Arbeitszahl von beträchtlich über 2,7 erforderlich, um die hohen Zusatzinvestitionen gegenüber einem Brennwertkessel von 8.000 bis 16.000 Euro zu rechtfertigen und um überhaupt einen nennenswerten Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Auf der Kaltquellenseite sind Erdreich-Heiz-Wärmepumpen der Spitzenreiter. Bei einer Fußbodenheizung erreichen sie im Mittel eine Arbeitszahl von 3,5; davon übertreffen drei Wärmepumpen sogar das Werbeziel von 4. Die Grundwasser-Wärmepumpen schneiden mit 3,4 etwas schlechter ab. Schlusslicht bilden die Heiz-Luft-Wärmepumpen. Bei einer Fußbodenheizung beträgt die Arbeitszahl im Mittel 2,95 und bei Radiatorheizkörpern nur 2,3 (typisch für Altbausanierung). Damit sind Luft-Wärmepumpen schon heute kritisch bis ablehnend zu beurteilen. Bei Radiatorheizungen erniedrigen sich die Arbeitszahlen gegenüber einer Fußbodenheizung wegen des höheren Temperaturniveaus. An Hand der bisheriger Ergebnisse beträgt die Effizienzminderung durch Radiatoren bei Erdreich-Wärmepumpen zehn Prozent und bei Luft-Wärmepumpen 28 Prozent! Bei den kleinen Warmwasser-Wärmepumpen beträgt die mittlere Arbeitszahl nur 1,7. Die Lokale Agenda 21 - Gruppe Umwelt/Energie empfiehlt aus diesem Grund für die Brauchwassererwärmung Sonnenkollektoren.
Besser für die Umwelt: Wärmepumpen mit Ökostrom
Unabhängig von den Effizienzmesungen ist es in jedem Fall ein Gewinn für die Umwelt, wenn die Antriebsenergie der Wärmepumpen aus Ökostrom besteht. Die Messungen dauern noch bis Ende 2008 an, um weitere Details zu klären. Von Interesse ist beispielsweise das Verhalten von Wärmepumpen bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und ob eine getrennte oder kombinierte Warmwasserversorgung günstiger ist. Abschließend ist eine betriebswirtschaftliche Analyse vorgesehen. Somit liefert das Projekt Planern, dem Heizungs- und Elektro-Handwerk sowie den Energieberatern unabhängige und verlässliche Daten über die effizientesten Wärmepumpensysteme.
Quelle und weitere Informationen zum Feldtest unter www.agenda-energie-lahr.de. Ansprechpartner Dr. Falk Auer, Lokale Agenda 21 – Gruppe Umwelt/Energie, Friedhofstraße 32/3, 77933 Lahr (Schwarzwald), E-Mail: nes-auer@t-online.de.
